Kurzaufruf

Kein Mal und nie wieder!
Das ist eure Tradition: Massaker, Vertreibung, Deportation!
4. Juni 2014: Aufmarsch von Burschenschafter, FPÖ und Nazis verhindern!

Am 4. Juni 2014 wollen die Burschenschaften des Wiener Korporationsrings (WKR) zusammen mit der FPÖ, einen Marsch durch die Wiener Innenstadt abhalten. Unter dem Motto „Fest der Freiheit“ stellen sie sich als freiheitsliebende Kämpfer für Menschenrecht und Meinungsfreiheit im Geiste des Revolutionsjahres 1848 dar.

Sonst mit Projekten befasst wie dem früheren WKR-Ball, dem Totengedenken am 8. Mai und der Huldigung des Nazifliegers Walter Nowotny am Zentralfriedhof, versucht der WKR mit diesem Bezug auf „Freiheit“ sein angekratzes Image aufzupolieren – eine direkte Antwort auf die antifaschistischen Proteste gegen den Wiener Akademikerball, die die burschenschaftlich-völkische Realität an Licht zerrten.

Wenn deutschnationale, rassistische Männerbünde zum Marsch aufrufen, ist das Grund genug ihnen das Fest zu vermiesen.

Insbesondere auch der Organisator Gehard Schlüsselberger – Ex-Bundesgeschäftsführer des RFS, FPÖ-Mitglied und Alter Herr der neonazistischen Burschenschaft Olympia – fällt auf mit rassistischen und ans Verbotsgesetz angrenzenden Aussagen: Er propagiert in der Zeitschrift „Burschenschaftliche Blätter“ 2009 das großdeutsche Volk, hetzt gegen eine „Ausländerflut biblischen Ausmaßes“ und steht für „wissenschaftlich erwiesene“ „Rassen“ ein. Erfahrung mit solchen Veranstaltungen hat er mit der Organisation des rechtsextremen burschenschaftlichen Totengedenkens am 8. Mai gesammelt. Hinter seinem demokratisch-freiheitlichem Anstrich versteckt sich der Ausschluss alles dem „deutschen Volke“ „Fremdes“.

Lügen und Halbwahrheiten – Burschenschaftliche Freiheits-Legende
Burschenschafter stellen sich heute in die Tradition der bürgerlich-demokratischen Revolution. Damit beziehen sie sich auf jene liberale Position, gegen welche die „Urburschenschaft“ erst gegründet wurde. Im völkischen Zentralorgan „Aula“ wird in geradezu erfrischenden Ehrlichkeit die Frontstellung der Burschenschaften zum „jakobinisch-freimaurerischen Gedankengut der französischen Revolution“ hervorgehoben. Nach Auschwitz dient diese Legende der Kämpfer für Freiheit und Menschenrecht vor allem dazu, von ihren wirklichen Traditionslinien abzulenken: Korporierte waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts an jeder blutigen antidemokratischen Erhebung in der Weimarer und Ersten Republik maßgeblich beteiligt. Der Antisemitismus und der Hass auf alles nicht-deutsche der Burschenschaften, ist dabei eine Quelle der späteren nationalsozialistischen Exzesse.

Deine Freiheit bleibt meiner einverleibt, sagt schon Georg Kreisler
Für die deutschnationalen Burschenschaften bedeutet Freiheit Unterordnung unter das (nationale) Kollektiv unter Ausgrenzung des Anderen, des „Fremden“. Auch das liberalere bürgerliche Freiheitsideal zwingt die Einzelnen zu permanenter Konkurrenz – die eigene Freiheit befähigt hier lediglich dazu, besser sein zu müssen als die Anderen. Im kapitalistischen Alltag stellt diese scheinbare Freiheit die Grundlage der Erfahrung der eigenen Ohnmacht und Ausgeliefertheit, der eigenen Bedeutungslosigkeit und Austauschbarkeit dar. Diese Erfahrungen bilden häufig die Grundlage für die Anrufung und Schaffung eines Kollektivs, seien dies eben Burschenschaften oder die nationale Identität. Der Gegenpol zur konkurrenzförmigen bürgerliche Freiheit und zur regressiven deutschen Kollektivierung wäre in der „freien Assoziation freier Individuen“ (Marx) zu suchen.

Die Freiheit die wir meinen heißt Kommunismus!